Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung
 
Presse
27.11.17 17:36 Alter: 14 days

Anhörung zur Planergänzung für den Ausbau der B 207

Kategorie: Presse

Von: h. kerlen

PRESSEMITTEILUNG

 

Es bleiben immer noch viele offene Fragen

Fehmarn ● Die Anhörung der Genehmigungsbehörde zu den Planungen für den Autobahn ähnlichen Ausbau der B 207 am Dienstag und Donnerstag letzter Woche war erneut sehr aufschlussreich. Für die Bürger, Verbände und Scandlines war es seit Oktober 2012 inzwischen ihre dritte Anhörung. Und diese zeigte, dass immer noch zu der Planung des Vorhabenträgers (Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, Niederlassung Lübeck) umfangreicher Klärungs- und Verbesserungsbedarf verbleibt. Das Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung stellte allein 40 Anträge zu noch zu beantwortenden Umweltfragen, zu notwendigen Entwurfsänderungen und zur Baudurchführung.

Hauptkritikpunkte bleiben:

Erstens, die mangelnde Abstimmung des Entwurfs mit den beiden Bahnvorhaben der Schienen-Hinterlandanbindung im Bereich von Großenbrode und der festen Fehmarnsundquerung. Dazu vertritt der Vorhabenträger eine Auffassung, die offenbar dem Motto folgt „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Bedeutet: Die Bahn muss zusehen, wie sie mit den durch seinen Entwurf geschaffenen Zwangspunkten klarkommt.

Zweitens, für die an der B 207 liegenden Mutter-Kind-Klinik Großenbrode, einer beliebten Erholungseinrichtung, stellt Straßenlärm ein Existenz bedrohendes Problem dar. Deren Leitung forderte bei der Anhörung einen vollen Schallschutz für die Klinik durch wirksame und aktive Schutzmaßnahmen. Diese Forderung will der Vorhabenträger aber nur teilweise erfüllen. Dass die Lärmproblematik für die Klinik durch die neue Bahntrasse zukünftig noch verschärft wird, kümmert den Vorhabenträger so gut wie gar nicht.

Drittens, ebenso bedenkenlos geht der Vorhabenträger mit dem Vorhaben des Wasserbeschaffungsverband Fehmarn um, der gegenwärtig die erneute Aufnahme einer Wasserförderung aus den 1971 aufgegebenen lokalen Bohrbrunnen prüft. Dabei geht es zwar nur um eine Wasserversorgung der Insel für den Notfall, dass die Stammleitung zum Wasserwerk Klötzin unterbrochen wird. Aber dafür muss das Grundwasservorkommen auf der Insel zumindest gegen von der B 207 stammende Schadstoffe geschützt werden. Der Vorhabenträger verneint aber ohne eingehenden Nachweis eine Gefährdung des Grundwassers durch die B 207.

Viertens, eine Fülle von Umwelt- und Naturschutzfragen konnte oder wollte der Vorhabenträger nicht beantworten. Dazu gehören die Auswirkungen von Abschwemmungen von Tausalz und anderen Schadstoffen wie Schwermetallen und Mikroplastik in die Vorfluter. Mikroplastik durch Reifenabrieb ist ein relativ neu entdecktes Umweltproblem mit gravierenden Auswirkungen auf die Fischbestände in Süßwassergewässern und den Meeren, wie der Ostsee. All diese Probleme hängen ursächlich mit dem zukünftigen Verkehr auf der B 207 zusammen. Und auch bei dessen Prognose hat der Vorhabenträger es an der notwendigen Sorgfalt missen lassen.

„Ob die Genehmigungsbehörde auf dieser fragwürdigen Grundlage einen Planergänzungsbeschluss fassen kann, ist sehr zweifelhaft", so Hendrick Kerlen vom Aktionsbündnis und ergänzt: „Angesichts der umfangreichen Nacharbeiten, die der Vorhabenträger noch erbringen muss, wird eine erneute Anhörung unumgänglich sein.“